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Vorsorge und Geld

Rentenlücke berechnen: was von der Renteninformation übrig bleibt.

Einmal im Jahr kommt die Renteninformation, und einmal im Jahr legt man sie beiseite. Dabei steht dort eine Zahl, die man in vier Schritten in eine sehr konkrete Aussage übersetzen kann: Wie viel fehlt mir später jeden Monat?

Beratungssituation bei Finanzbiber zum Thema Vorsorge und Geld

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Betrag auf der Renteninformation ist brutto. Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern gehen noch ab.
  • Rechne grob mit 80 Prozent deines heutigen Nettoeinkommens als Bedarf im Ruhestand.
  • Zwei Prozent Inflation halbieren die Kaufkraft eines Euro in rund 35 Jahren.
  • Die Lücke wird kleiner, je früher du anfängst. Zehn Jahre Vorsprung ersetzen etwa die doppelte Sparrate.

Schritt 1: die richtige Zahl heraussuchen

Auf der Renteninformation stehen mehrere Beträge. Entscheidend ist die Zeile zur voraussichtlichen Regelaltersrente, nicht die Rente wegen voller Erwerbsminderung und nicht der bisher erreichte Anspruch. Die Hochrechnung unterstellt, dass du bis zur Regelaltersgrenze weiter so verdienst wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Darunter findest du außerdem zwei Beispielrechnungen mit ein und zwei Prozent jährlicher Rentenanpassung. Die sind nicht garantiert, sondern Modellrechnungen. Rechne lieber konservativ mit der Zahl ohne Anpassung.

Schritt 2: von brutto auf netto

Der Betrag ist eine Bruttorente. Davon gehen ab:

  • Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner, derzeit 7,3 Prozent plus den halben Zusatzbeitrag der Kasse.
  • Beitrag zur Pflegeversicherung, den Rentner in voller Höhe selbst tragen.
  • Einkommensteuer, denn der steuerpflichtige Anteil der Rente steigt jährlich und liegt für künftige Jahrgänge bei 100 Prozent.

Als Faustformel bleiben von der Bruttorente etwa 80 bis 85 Prozent übrig, bei höheren Renten und zusätzlichen Einkünften entsprechend weniger. Wer es genau wissen will, rechnet mit dem individuellen Steuersatz.

Schritt 3: den Bedarf bestimmen

Im Ruhestand fallen einige Kosten weg: Fahrten zur Arbeit, Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, oft die Abzahlung der Immobilie, manchmal der Unterhalt für Kinder. Andere kommen hinzu, vor allem Gesundheit und Pflege. Als Richtwert hat sich bewährt, mit 80 Prozent des heutigen Nettoeinkommens zu rechnen.

Ehrlicher ist es, einmal die eigenen Fixkosten aufzuschreiben und zu überlegen, was davon in zwanzig oder dreißig Jahren noch läuft. Wer bis zur Rente schuldenfrei im Eigentum wohnt, braucht spürbar weniger als jemand mit Miete.

Die Lücke ist keine abstrakte Größe. Sie ist der Betrag, der dir jeden Monat fehlt, um so zu leben wie heute.

Mikel Wilder, Versicherungsmakler

Schritt 4: die Inflation einrechnen

Das ist der Schritt, den fast alle überspringen, und er verändert das Ergebnis am stärksten. Bei zwei Prozent Inflation sind 1.000 Euro in zwanzig Jahren noch rund 670 Euro wert, in dreißig Jahren noch etwa 550 Euro. Eine Rentenlücke von 800 Euro in heutiger Kaufkraft bedeutet also, dass du in dreißig Jahren rund 1.450 Euro zusätzlich brauchst.

Deshalb rechnen wir Vorsorge grundsätzlich in heutigen Preisen und prüfen anschließend, welche Sparrate nötig ist, um diese Kaufkraft zu erreichen. Alles andere führt zu einer Zahl, die sich gut anfühlt und zu klein ist.

Ein Rechenbeispiel

Nehmen wir jemanden mit 3.200 Euro netto heute, 45 Jahre alt, Rentenbeginn in 22 Jahren. Die Renteninformation weist 1.900 Euro brutto aus.

  • Netto davon rund 1.570 Euro.
  • Bedarf bei 80 Prozent des heutigen Nettos: 2.560 Euro.
  • Lücke in heutiger Kaufkraft: rund 990 Euro im Monat.
  • Bei zwei Prozent Inflation entspricht das in 22 Jahren etwa 1.530 Euro.

Das klingt nach viel, und das ist es auch. Gleichzeitig zeigt die Rechnung, worum es eigentlich geht: nicht um ein Produkt, sondern um eine Zahl, die man kennen muss, bevor man über Produkte spricht.

Was danach kommt

Erst wenn die Lücke beziffert ist, ergibt die Frage nach dem Weg Sinn. Je nach Steuersituation, Flexibilitätsbedarf und Anlagehorizont kommen Depot, fondsgebundene Rentenversicherung, Basisrente oder betriebliche Altersversorgung in Betracht, meist in Kombination. Wer zuerst das Produkt wählt und dann die Lücke, hat die Reihenfolge vertauscht.

Häufige Fragen

Was uns dazu am häufigsten gefragt wird.

Ab dem 27. Lebensjahr und mindestens fünf Jahren Beitragszeit, danach jährlich. Ab 55 wird daraus die ausführlichere Renteninformation mit zusätzlichen Angaben.

Für künftige Rentnerjahrgänge ja. Der steuerpflichtige Anteil steigt schrittweise an und erreicht für Neurentner ab 2058 hundert Prozent. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt vom Gesamteinkommen und dem Grundfreibetrag ab.

Das hängt von Lücke, Zeitraum und erwarteter Rendite ab. Als Orientierung: Wer 30 Jahre Zeit hat und mit fünf Prozent rechnet, braucht für 1.000 Euro monatliche Zusatzrente eine deutlich kleinere Rate als jemand mit 15 Jahren. Zeit ist der stärkste Hebel.

Als Ersparnis der Miete ja, als Einkommen nicht. Wer im Eigentum wohnt, senkt seinen Bedarf, hat aber weiterhin Instandhaltung und keine laufenden Einnahmen. Beides gehört getrennt in die Rechnung.

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